Schlafapnoe Therapien




Die obstruktive Schlafapnoe ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die auf jeden Fall behandelt werden sollte. Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es aufgrund eines Zusammenfallens (Kollaps) der oberen Atemwege zum vorübergehenden vollständigen Erliegen der Atmung. Dies wird erst durch eine Weckreaktion des Körpers durchbrochen. Durch den ständigen Kreislauf aus Schlaf – Atemaussetzer – Weckreaktion finden die Betroffenen keinen erholsamen Schlaf. Die Folge sind erhebliche Tagesmüdigkeit und auf lange Sicht auch organische Probleme, wie Bluthochdruck. Außerdem steigt das Herzinfarkt- und Schlafanfallrisiko. Deshalb sollten sich Patienten mit OSAS einer Behandlung unterziehen – vor allem, um den Spätfolgen vorzubeugen. Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Therapieansätzen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Diese wollen wir nachfolgend kurz vorstellen:

passive Beatmung

CPAP-Therapie

Die am häufigsten eingesetzte Therapieform des obstruktiven Schlafapnoesyndroms ist die sogenannte CPAP-Therapie. Die Abkürzung steht für “Continuous Positive Airway Pressure” (= kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck). Erstmals 1983 eingesetzt, hat sich die CPAP-Therapie mittlerweile als Mittel der Wahl bei OSAS durchgesetzt und kann als der “Goldstandard” der OSAS-Therapie bezeichnet werden.

Das Kernstück des CPAP-Geräts ist ein elektrisch betriebener Kompressor, der einen verstellbaren Überdruck erzeugt. Über einen Schlauch ist der Kompressor mit einer Maske aus Plastik verbunden, die der Patient während des Schlafes tragen muss. Es gibt eine Reihe von Masken, die sich in Form und Material unterscheiden. Mithilfe der Maske wird der Überdruck aus dem Gerät auf die Atemwege des Patienten übertragen.

Das Problem beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom ist, dass die oberen Atemwege durch Entspannung der Muskulatur des Rachenraumes in sich zusammenfallen und so den Atemfluss behindern und zum Erliegen bringen. Die CPAP-Therapie setzt bei diesem Zusammenfallen der Atemwege an. Denn der konstant positive Druck aus dem CPAP-Gerät “bläht” die Atemwege leicht auf bzw. hält sie unter konstantem, leichtem Druck und verhindert so deren Zusammenfallen (man kann sich die unter Druck gesetzten Atemwege bildlich wie einen aufgeblasener Dudelsack vorstellen – damit er bespielt werden kann, muss der Bläser auch kontinuierlich Luft in den Sack pusten, so dass er prall gefüllt bleibt). Da die Atemwege mithilfe der CPAP-Therapie dauerhaft offenbleiben kann es auch zu keinen Atemaussetzern während des Schlafs kommen. Wegen seiner Funktionsweise spricht man bei der CPAP-Therapie auch von einer “pneumatischen Schienung” der Atemwege.

Die Beatmung mittels CPAP ist eine passive Beatmung, d.h. der Anwender atmet selbst in seinem eigenen Rhythmus (Atemtiefe und Atemfrequenz) und wird durch das Gerät lediglich dabei unterstützt.

Eine positive Nebenerscheinung der CPAP-Therapie ist übrigens, dass es weitestgehend auch zu keinen Schnarchgeräuschen mehr kommt, da das Gewebe im Nasenrachenraum wegen des Überdrucks nicht erschlafft und nicht vibriert.

Die CPAP-Therapie ist eine Dauertherapie, d.h. man muss die Maske ohne Ausnahme jede Nacht tragen, um die Apnoephasen dauerhaft zu verhindern. Denn diese Behandlungsform verspricht zwar eine deutliche Besserung der Symptome, kann das Schlafapnoesyndrom jedoch nicht heilen. Wenn man also die Therapie aussetzt, ist man wieder in derselben Situation wie zuvor.

Zur Behandlung des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms existieren derzeit vier verschiedene Ansätze, die das CPAP-Prinzip in leicht abgewandelter Form anwenden:

klassisches CPAP

bei der klassischen CPAP-Beatmung erzeugt das Gerät einen konstanten Überdruck, der sich nicht verändert. Dies verhindert während jedes Atemzykluses, dass die Atemwege kollabieren. Allerdings wird der hohe Druck auch während der Ausatemphasen aufrecht erhalten. Man muss also gegen einen höheren Widerstand ausatmen. Das kann gerade am Anfang der Anwendung sehr gewöhnungsbedürftig sein. Die klassischen CPAP-Geräte sind die kostengünstigsten Modelle und relativ einfach in der Handhabung.

BiPAP (Bi-Level positve airway pressure)

Im Gegensatz zu den klassischen CPAP-Geräten, die nur einen konstanten Überdruck erzeugen, können die Bi-Level-PAPs zwei unterschiedlich einstellbare Drücke generieren. Zwischen diesen wird dann immer wieder abgewechselt. So geben die BiPAP-Modelle einen hohen Überdruck während der Einatemphase ab, um die Atemwege offen zu halten. Währen des Ausatmens ist der Druck jedoch niedriger (aber immer noch positiv), sodass die Ausatmung erleichtert wird. Um eine individuell optimale Einstellung zu ermitteln, muss man sich jedoch vor der Anwendung in ein Schlaflabor begeben, wo der Atemfluss während des Schlafes analysiert wird.

APAP (auch autoCPAP)

Während der unterschiedlichen Schlafphasen ändert sich auch der Atemwegswiderstand. Dieser Tatsache tragen die neuesten APAP-Geräte Rechnung. Sie sind mit einem Sensor ausgestattet, der permanent misst, wie groß der Überdruck sein muss, um die Atemwege vor dem Kollaps zu bewahren. Die Software in dem Gerät passt dann automatisch den Luftdruck an, sodass stets die optimalen Druckverhältnisse aufgebaut werden. Dies ist besonders hilfreich, wenn die Atemaussetzer nur in bestimmten Schlafpositionen auftreten (positionsbezogenes OSAS).

VPAP (variable positive airway pressure)

Diese sehr neuen Geräte wurden für den Einsatz bei zentraler Schlafapnoe und Cheyne-Stokes-Atmung entwickelt. Auch diese enthalten einen Sensor, über den der Atemwegsdruck bei jedem Atemzug neu angepasst wird. Zusätzlich sind die Geräte in der Lage, mithilfe ihrer ausgeklügelten Software die Beatmungsdrücke so einzustellen, dass die Atmung so reguliert wird, dass sich die REM-Phasen im Schlaf verlängern. So werden die Apnoe-Phasen bei ZSA und Cheyne-Stokes-Atmung effektiv bekämpft.

Obwohl die CPAP-Therapie sehr effektiv ist, beenden 30 bis 40 Prozent der Patienten ihre CPAP-Behandlung wieder, oder verwenden sie nur unregelmäßig. Grund dafür sind meist Probleme mit der Maske oder der relativ laute Kompressor. Hier setzen die Behandlungsalternativen zu CPAP an, die wir nachfolgend vorstellen wollen.

Nasenpflaster

Provent (EPAP)

Eine nicht invasive Alternative zur CPAP-Beatmung bei obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom bietet die EPAP-Therapie (Expiratory Positive Airways Pressure), auch bekannt unter der Marke Provent. Provent besteht aus zwei kleinen, rundlichen Pflastern, in deren Mitte eine Membran sowie eine Mikroklappe eingearbeitet ist. Man befestigt die beiden Pflaster vor dem Zu-Bett-Gehen unter der Nase, sodass jedes Nasenloch dicht abgeklebt ist. Die Mikroklappe funktioniert wie ein Ventil. Beim Einatmen durch die Nase ist sie geöffnet, sodass Luft durch die darunterliegende Membran strömen kann. Beim Ausatmen schließt sich die Klappe. Nur durch ein kleines Loch im Ventil kann nun die Luft ausströmen. Durch diesen erhöhten Widerstand erhöht sich der Druck in den Atemwegen bei der Ausatmung (man spricht auch von expiratorischem positiven Atemwegsdruck [EPAP]) und ein Kollaps des Nasenrachenraumes und der Atemwege soll so verhindert werden.

Der Vorteil von Provent ist seine leichte Handhabbarkeit. Die Pflaster werden einfach aufgeklebt und am nächsten Morgen als Einmalartikel entsorgt. Außerdem muss man sich nicht mit den Problemen der Maskenbeatmung der CPAP-Therapie herumschlagen. Provent wird sehr viel besser toleriert als eine Beatmungsbehandlung.

Implantierung eines Schrittmachers und Sensors

Zungenschrittmacher (Inspire/ImThera)

Ein Zungenschrittmacher verhindert durch kleine elektrische Impulse das Erschlaffen und Zurücksinken des Zungengrundes in den Rachen. Damit bleiben die Atemwege frei und lagerungsabhängige Schlafapnoen können verhindert werden. Der Zungenschrittmacher besteht aus drei Teilen, die in einem kleinen operativen Eingriff unter die Haut implantiert werden. Ein Sensor am Brustkorb misst den Atemrhythmus des Patienten und leitet diese Information an einen kleinen Generator weiter, der sich, ähnlich wie ein Herzschrittmacher, unter dem Schlüsselbein befindet. Von dort führt eine dünne Leitung unter der Haut zu einer Elektrode an der Mundbodenmuskulatur unter dem Kinn. Registriert der Sensor eine Veränderung im Atemrhythmus, wird vom Schrittmacher ein milder elektrischer Impuls zur Elektrode geleitet. Dieser stimuliert die Mundbodenmuskulatur und hindert so den Rauchenraum am Kollaps. So werden die Atemwege während des Schlafes offen gehalten. [Einbettung YouTube Video zu Inspire-Wirkweise – von somnishop ziehen (unter Schnarchen auf den Punkt gebracht) Text unter Video: Wirkweise der Zungenschrittmacher-Therapie bei Apnoe-Patienten] Allerdings funktioniert dieser Ansatz nur bei positionsbedingtem Schlafapnoe-Syndrom, d.h. wenn die Apnoen in Rückenlage auftreten. Für solche Patienten ist ein Zungenschrittmacher (wie Inspire oder ImThera) eine interessante Alternative zur konventionellen CPAP-Therapie. Werden die Atemwege jedoch auf einer anderen Ebene verlegt oder treten lageunabhängig auf, so ist diese Therapiemethode nicht wirksam.

Rückenlage verhindern

Positionstherapie

Bei lageabhängigem OSAS, d.h. wenn die Schlafapnoen ausschließlich in einer bestimmten Liegeposition (in der Regel: auf dem Rücken liegend) auftreten, kann auch die Postionstherapie infrage kommen. Rucksäcke, Westen oder speziell geformte Gurte (wie zum Beispiel Zzoma) werden vor dem Schlafengehen auf den Rücken geschnallt. Mit ihrer besonderen Form verhindern sie, dass der Anwender in der Nacht auf dem Rücken schlafen kann. Liegt der Ort der Obstruktion auf Höhe des Zungengrundes, kann so mithilfe der Positionstherapie verhindert werden, dass die Atemwege kollabieren und die Häufigkeit der Apnoephasen vermindert werden. Ausführliche Informationen hier

Zurücksinken verhindern

Protrusionsschienen

Vor allem bei leichtem bis mittelgradigem Schlafapnoe-Syndrom bieten Unterkiefer-Protrusionsschienen eine weitere Alternative zur Bekämpfung von OSAS. Dabei handelt es sich um Schienen, die in den Mund eingesetzt werden und den Unterkiefer nach vorne schieben bzw. ziehen. Dadurch weden das Gewebe und die Muskulatur im Bereich des Unterkiefers leicht unter Spannung versetzt und der in diesem Bereich liegende Zungengrund kann nicht nach hinten in den Rachen sinken. Die Protrusionsschienen sind in verschiedensten Ausführungen und Preiskategorien verfügbar. Mehr dazu finden Sie in unserem Bericht “Welche Schnarchschiene hilft?”

bei schweren Fällen

Operative Therapie

Bei schweren Fällen von obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom kann auch ein operativer Eingriff Linderung verschaffen. Allerdings gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Operationstechniken, von denen nicht jede für jeden Apnoeiker gleich gut geeignet ist. Eine Operation ist irreversibel, d.h. der Eingriff lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Nicht zuletzt deshalb ist es sehr zu empfehlen, vorher sorgfältig abklären zu lassen, ob eine Operation überhaupt in Frage kommt. Insbesondere ist zu klären, an welcher Stelle der Atemwege die Obstruktion besteht. Die Operationsmöglichkeiten umfassen zum Beispiel eine Straffung des weichen Gaumens oder eine Verkleinerung des Zungengrundes. Mehr zu diesem Thema hier.